Nimm Platz - "Einladung von oben"

Ob Frau Wesseler sich der Doppeldeutigkeit ihrer Worte bewusst war, als sie Pfelders Installation "Nimm Platz" - eine "Steinwurfweite" entfernt und - gegenüber des inzwischen geschlossenen, ehemals selbstorganisierten Kultur- und Wohnprojekt "Reba84" als "eine Bank, einen Schriftzug, eine Einladung - von oben" bezeichnete, wird nur sie selbst wissen: Perspektive - vom Hoteldach aus - oder auch Einstellung?

Allein ihr Auftauchen an diesem Ort und ihre Laudatio für die neue Installation, in der sie sich freute und ebenso forderte, dass Chemnitzer Freiräume besetzten, war eine Provokation gegen die ehemaligen "Reba-Akteure". Selbst wenn diese Laudatio, wie von Frau Wesseler betont, völlig wertneutral gewesen wäre, so wirft dies doch die Frage auf, wie naiv (oder doch: herablassend) man(/Frau Wesseler) mit sich selbstorganisierten AkteurInnen nicht nur umging, sondern immer noch umgeht.

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Repräsentatives Dilemma

Kein Beitrag zur deutschen Einheit – derzeit sind Gemüter gespaltener denn je. Deshalb: eine Leseempfehlung, eine satirische Anwandlung und einer, der die Denke, die nun Auslöser des Ganzen ist, schon lange denkt.

Felix Neumann analysiert auf seinem Blog sehr detailiert, weshalb sich die Wut Vieler nun im Protest gegen Stuttgart 21 entlädt: „Es geht um die Ohnmacht, einem politischen Prozeß ausgeliefert zu sein, der scheinbar nicht zu beeinflussen ist.„ Im Kern plädiert Neumann für eine Novellierung überholter demokratischer Verfahren, die trotz Legitimation der Entscheidungen durch sie – reine Verfahrensgerechtigkeit –, diese Ohnmacht bei Teilen der Bevölkerung entstehen lassen. In der dem Beitrag angeschlossenen Diskussion (ebenfalls eine Leseempfehlung) wird der Status Quo der repräsentativen Demokratie der BRD und der in ihr agierenden Protagonisten diskutiert.

Wenn nicht nur Bahnchef Grube, sondern auch Ministerpräsident Mappus und Innenminister Rech, auf die Umsetzung der demokratisch legitimierten Entscheidungen pochen, ergibt sich im Chemnitzer Kontext folgende Situation:

Man stelle sich einmal vor in Chemnitz wäre mit Wasserwerfern und Reizgas die Umsetzung der Entscheidung eines repräsentativdemokratischen Gremiums (Beschluss-Nr. B- 133/2008 ), das Experimentellen Karree im Komplex an der Reitbahnstraße, gegen anrückende Keilholz'sche und GGG-Bautrupps gesichert worden.

Nicht nur dass hier die CDU und in persona der Kämmer der Stadt die Legitimation nicht anerkannten, schießen nun erneut Chemnitzer Christdemokraten mit sonderbaren Argumenten um sich. (Die Auflösung gibt es hier.)

Die Stadt taktiert, das Kuratorium marschiert!

"Professor Nagler, ich muss ihnen widersprechen: Wenn das Thema "Experimentelles Karree" auf September verschoben wird, ist das sinnlos, weil es dann nichts mehr zu besprechen gibt. Dann ist es weg."

Dies war ein Novum, die vermutlich erste Wortmeldung eines nicht geladenen Gastes während einer Sitzung des "Kuratorium Stadtgestaltung". Interveniert hatte der Vorsitzende des Exka e.V., Markus Börner. Mit ihm waren 25 weitere Gäste des ExKa-Umfeldes anwesend, nachdem - oder trotz dessen - das Thema "Experimentelles Karree" wider Erwarten nicht auf der Tagesordnung stand.

Der Kuratoriums-Vorsitzende berief sich daraufhin auf die Geschäftsordnung "und die Geschäftsordnung [des Kuratoriums] besagt, dass die Tagesordnung nicht durch das Kuratorium selbst festgelegt wird." Zuständig ist der Planungs- und Umweltausschuss, dessen Vorsitzende Baubürgermeisterin Petra Wesseler ist. Sie erklärte am Anfang der Sitzung, dass mit der Podiumsdiskussion "Wie weiter mit dem Experimentellen Karree?" im Schauspielhaus am vergangenen Donnerstag alles besprochen worden sei. Ein dringender Handlungsbedarf besteht also nicht, glaubt man der Stadtverwaltung. Mit dem Angebot eines Hauses auf der Leipziger Straße scheint die Diskussion zu Ende zu sein, unabhängig davon ob dieses Angebot vom Exka angenommen wird (was eher unwahrscheinlich ist). Ein wichtiger Punkt bleibt außerdem unbeachtet - so auch ein Vorwurf zum Podium auf der "Großen Bühne": mangelndes Vertrauen in die Stadtverwaltung. Mit der Entscheidung für eine Agenda des Kuratoriums ohne Exka ist dieses nicht gewachsen. Die jungen Leute jedenfalls verlassen daraufhin die Sitzung.

Die Aufgabe des Kuratoriums wurde am Freitag deutlich: Es ist das Feigenblatt der Blöße der Stadt(verwaltung) und im Speziellen von Frau Wesseler. Wenn Prof. Nagler erklärt, dass das Kuratorium jetzt in einem Stadium angelangt sei, in dem es bei der Stadt Gehör findet, und er dies nicht gefährden könne, indem er sich über die Geschäftsordnung hinwegsetze, so führt er die eigentliche Aufgabe ad absurdum: Der Blick von außen auf relevante Themen der Stadtgestaltung. Im Verständnis der Stadt und nun anscheinend auch des Kuratoriums heißt das: Externe Experten sollen die Stadt beraten - aber bitte nur dort wo es nicht weh tut und nicht schon andere Pläne bestehen. Die Stadt ruft zum Appell und das Kuratorium steht stramm. Kuratorium, rechts um! Im Gleichschritt Marsch!

 

"Sie hat kein Herz"

Ein Theaterstück

Der 17. April, Samstagabend, und somit Schlusstag des 6. Sächsischen Theatertreffens. Die letzte Vorstellung steht auf dem Programm: „Egoshooter: Generation Peer“ - ein Gastspiel des Leipziger Centraltheaters. Es ist kurz nach 20 Uhr und das Stück liegt in den letzten Zügen.

Einer der Schauspieler tritt auf – nochmals – da das Stück eigentlich schon vorbei ist, hält eine Zwiebel in den Händen, eine Zwiebel, die er dem Publikum präsentiert. Was dann passiert, könnte man „Zerfleischen“ nennen, wäre die Zwiebel keine Pflanze. Einigen wir uns auf „zerfetzen“. Er zerfetzt die Zwiebel, völlig aus der Handlung gerissen – „postdramatisch“ nennt man das wohl. Was bezweckt er? Es bleibt vorerst unklar und bleibt es auch dann noch, als er die Erkenntnis, das Ergebnis seines Handelns laut heraus schreit, das dann vom Chor der anderen Schauspieler noch mit einem Echo unterlegt wird:

„Sie hat kein Herz.“

Ein Satz steht im Raum und Runzeln zeigt sich auf der Stirn der Zuschauer. Cool war es allemal, was sich da abspielte – zugegeben -, aber der Sinn...

Eine Podiumsdiskussion

Der Chemnitzer Schauspieldirektor Enrico Lübbe sitzt auf dem Podium und erklärt, weshalb das zukünftige „Haus der Archäologie“ im ehemaligen Kaufhaus Schocken die blödeste Idee ist, die man haben konnte. Sein vorangegangenes Zitat von den „gefühlten achtspurigen Autobahnen“ im Chemnitzer Zentrum ist ebenfalls legendär. Ein Uni-Gebäude mit Seminarräumen oder die Mensa im Schocken-Kaufhaus, das wären seiner Meinung nach sinnvolle Varianten. Applaus vom Publikum.

Aber halt:

Micaela Schönherr, Geschäftsführerin der NILES-SIMMONS Industrieanlagen GmbH, widerspricht ihm. Als Vorstand des Lobby-Vereins „Freunde und Förderer des Hauses der Archäologie“ ist das nicht verwunderlich. Das sagt sie auch selbst und fährt fort, dass der Stadtverwaltung der Weitblick fehle. „Chemnitz war schon einmal weiter.“, sagt sie, doch „Voxx“, „Splash“ und „Bukowski“ wären nun weg.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwigs Ton wird im Laufe der Diskussion schärfer und sie verteidigt nicht nur die Schocken-, sondern auch sonst alle städtischen Pläne. Herr Lübbe, angesichts dieses Beschusses, begibt sich immer mehr in die innere Emmigration – ebenfalls nicht verwunderlich, sitzt doch nicht nur er für sich allein auf dem Podium, sondern mit ihm auch die von der Stadt finanzierten Angestellten des Theaters.

Zurück zum Schauspielhaus

Ende Mai (vom 27. - 30.) findet das Theaterfestival „Schönste Blume des Ostens“ statt und der Flyer zeigt nicht etwa Rose, Tulpe oder Vergissmeinnicht, nein, er zeigt eine Zwiebel - ein ziemlich gewöhnliche sogar. Alles klar!?

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Die subtile Kritik des Theaters findet im Theater statt – zumindest bei „Egoshooter“. Vielleicht begann beim Sächsischen Theatertreffen aber auch eine nette Tradition, die sich beim Festival mit seinem Flyer fortsetzt und die – vielleicht – noch ganz andere Blüten tragen wird.

* Alternativbild, da es (auch auf Nachfrage) nicht sicher ist, ob ich den Flyer verwenden darf.

 

Schönste Blume des Ostens:

Zur Festivalseite von „Schönste Blume des Ostens“.

Programm: täglich vom 27. - 30. Mai:

18-20 Uhr: Chemnitzer und Karl-Marx-Städter Experten geben in einer Speeddating-Situation einen kurzen Einblick in ihre Expertise.

20 Uhr: Inszenierung eines Gastensembles.

Ab 22 Uhr: Party oder Club Royal (28. Mai)

 

Eine Ausrede und Protest für Chemnitz

Zuerst eine Entschuldigung:

Entschuldigt bitte, dass ich eine scharfsinnige Analyse des "Freie Presse“-Forums „Perspektiven für eine lebendige Stadt“ vermissen ließ. Ich hatte keine Zeit (vgl. 371-Printausgabe, irgendwo hinten) – ist die Ausrede, die es mir erlaubt nicht sagen zu müssen, dass ich es wohl auch nicht gekonnt hätte. Selbst die Freie Presse hat sich ob des Umfangs der angesprochenen Themen vor einem umfassenden Kommentar gescheut. Stattdessen druckte sie Leserbriefe.

Und hier beginnt der Text:

Es tut sich etwas in der Reba. Die Initiative „Reba Sí“ war zum FP-Forum präsent und organisierte eine Matinee zur Enthüllung der neuen Schaufenster (die glücklicherweise nicht gleich wieder zerstört wurden). Soweit so gut. Doch: Sieht so Protest gegen die Schließung eines Kulturzentrums aus? Wohl kaum – haben sich auch die Aktivisten der Initiative gedacht. Vom 4. - 6. Juni wollen sie ein Festival auf die Beine stellen. (Immer noch kein großer Protest)

Was allerdings schon läuft: Eine Seite mit Prominenten Unterstützern der Reba. Neben Egmont Elschner, Jens Kassner, Katja Paryla und weiteren Künstlern und Kulturschaffenden hat sich auch der Vorsitzende der IG Händlergemeinschaft der inneren Reitbahnstraße mit einem Statement zur Reba bekannt. Und: Sogar Chuck Norris steht auf der Liste – mit einigen Rechtschreibfehlern zwar, doch ist es umso erstaunlicher, dass er überhaupt deutsch kann.

Neben all diesen kleinen Unterstützungsaktionen mit positivem Unterton, die nicht platt auf die Stadt und ihr Versagen eindreschen, sondern sagen: „Schaut her: wir können was. Und Chemnitzer und Auswärtige unterstützen dies.“; neben all diesen Dingen, wird es trotzdem noch die große Protestkundgebung geben. Mitte Juni ist als Termin angepeilt. Da ist er dann, der (von mir geforderte) Protestcharakter.

Wer immer noch nicht weiß, worum es bei Exka und Reba und „Reba Sí“ geht, der befasse sich mit der bisher umfassendsten und kürzesten Chronik der Ereignisse: hier oder hier oder (einem noch kürzerer Artikel im 371 und zwar) hier.

[Offenlegung für alle, die nicht ins 371 geschaut haben: Ich wirke in der Initiative „Reba Sí“ mit.]

Chemnitz - In was für einer Stadt wollen wir eigentlich leben?

Noch knapp zwei Stunden bis zur Podiumsdiskussion "Chemnitz - Ideen für eine lebendige Stadt". Die Freie Presse lädt zum Ideenaustausch um 19 Uhr ins Industriemuseum. Es diskutiert eine breitgefächerte Runde: von Oberbürgermeisterin und Schauspieldirektor bis zum Physikprofessor. Auch der Medizin-Student und Filmemacher Klaus-Gregor Eichhorn ist dabei. Der hatte im Vorfeld (nämlich gestern) seinen Essay "Die gefährlichste Krankheit" veröffentlicht - vielleicht auch, um die Worte zu erklären, mit denen er Ende Februar in der ZEIT zitiert wurde, und die ich auch zum Anlass für einen Artikel nahm. Der Essay, eine Abrechnung mit der Chemnitzer Stadtverwaltung, die Eigeninitiative von Bürgern im Keim erstickt, beschreibt Obrichtkeitsdenken gepaart mit Regulierungswahn als die gefährlichste Krankheit für eine lebenswerte Stadt.

"Reba Sí!" hat angekündigt einige Live-Eindrücke der Diskussion zu posten. Man darf gespannt sein, ob das auch über den Twitter-Account des Veranstalters, der Freien Presse, passiert.

UKW-Radio T wird (vorerst) abgeschaltet!

Radio T wird heute, am 17.04., um 0:00 Uhr abgeschaltet. Apollo Radio wirkte auf den Sendemastbetreiber Media Broadcast hin, Radio T nicht weiter auszustrahlen. Apollo zahlt dann weiterhin für das Rauschen auf dieser Frequenz, da aus Lizenzrechtlichen Gründen nicht selbst gesendet werden darf.
Radio T setzt seinen Sendebetrieb im Internet wie gewohnt fort: www.radiot.de

Für Montag, den 19.04., rufen die Macher des freien Radios ab 16 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Medienhaus auf der Carolastraße auf. Dort sitzt Apollo Radio und dort soll der Unmut der "Radio T"-Hörer ankommen.

Es folgt die Pressemitteilung von Radio T: Abschaltung von Radio T - Schwerer Eingriff in die lizenzierte Rundfunklandschaft Sachsens!

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2010-04-16-PMradiot-ZurAbschaltung.pdf (166 KB)

Ein offenes Hilfegesuch aus Chemnitz

Click here to download:
RebaJa_Hilfegesuch.pdf (196 KB)

In der Chemnitzer Subkulturszene tut sich etwas. Genauer: In der Reitbahnstraße 84. Die Initiative "Reba Ja!" sucht einen Anwalt, um die (Un)Rechtmäßigkeit der Mietvertragskündigung mit dem bisherigen Betreiber, dem Verein zur Wiederbelebung kulturellen Brachlands, überprüfen zu lassen. Dies lässt die Überschrift der Pressemitteilung vermuten. Doch scheint es mehr zu sein: Der Wille zum "konstruktiven Dialog" mit der Stadt ist ebenfalls vorhanden und neue Akteure könnten mit neuen (alten) Ideen vielleicht die festgefahrenen Fronten in den Verhandlungen wieder auflockern. Es scheint mir der Wunsch nach einem Dialog auf Augenhöhe zu sein, der durch die juristische Klärung nicht unterwandert, sondern untermauert wird. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt: Totgesagte leben bekanntlich länger. Das gilt nicht nur für Chemnitz, sondern vielleicht auch für das ExKa.

Die Gutmenschtaktik der GGG

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man Farbe bekennen muss.
Meiner ist jetzt gekommen. Für Gregor Eichhorn war es schon letzte Woche soweit, als er sich in der "Zeit" äußerte.

Es geht um Lebensgefühl, gefühlte Kälte, die geförderte Abwesenheit eines Versuchs von Subkulturförderung und eine gefühlskalte Tatsache:
Die GGG spielt nicht fair. Die GGG ist ein Spielverderber - und das sollte sich auch der Betreiber des Spielemuseums, Peter Lemcke, überlegen, der am Donnerstagmittag zusammen mit dem Vorstand der GGG die Reitbahnstraße 84 besichtigt.

Seit Jahren verzweifeln Initiativen jeglicher Art am Gewinnstreben der städtischen Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft. Die Wiederbelebung des Brühls erstarb ebenso wie das Experimentelle Karree in jener Reitbahnstraße 84, die am Donnerstag vielleicht einen neuen Mieter findet. Bürgerschaftliches Engagement, aus der Mitte der Bevölkerung für ein lebendigeres Stadtbild und mit Mehrwert für alle Chemnitzer, unterlag der Gewinnmaximierung einer Kapitalgesellschaft deutlich. Dass die Untätigkeit des Kämmerers - in letzterem Fall - nicht unwesentlich für das Scheitern des Experiments noch vor dem Versuchsaufbau war, steht natürlich auf dem selben Blatt, nur an anderer Stelle.

Eines ist aber klar: die GGG muss punkten. Ihr Image: spätestens seit einem MONITOR-Beitrag auf historischem Tiefstand. Nach den Lachern für den städtebaulichen Reinfall droht ihr nun auch noch die Schelte für soziales Missmanagement. Wenn das Experimentelle Karree am 30.06. scheitert, wird es wohl der letzte Versuch gewesen sein, etwas Wohlfühlen in diese karge Stadtlandschaft zu zaubern. Wer sich dann noch hier in dieser Stadt engagiert, ist selbst schuld.

Und wer all diese Entwicklungen verfolgte, konnte zumindest eines erkennen: Die GGG holt sich nun mit dem Chef des Spielemuseums den für sie besten Hengst, der im Stadtgebiet seine Runden zieht, in ihren Stall. Lemcke selbst ist laut Presseberichten auch kein unbeschriebenes Blatt. Das Chemnitzer Landgericht sah es im Juni 2009 als erwiesen an, dass er versucht habe, Ausstellungsstücke in seinen Privatbesitz zu übertragen. Gegen dieses Urteil ging er in Revision. Trotzdem wird eines deutlich: auch er muss punkten. Und tut es - mit der Aussicht auf ein zentrumsnahes, kinderfreundliches Museum - im sozialen Sektor, fände dort in der GGG sein Gegenstück: eine Zweckehe, die glücklicher nicht sein könnte.

Festzuhalten bleibt: Das Spielemuseum zahlt im jetzigen Domizil keine Miete, trotz persönlicher Differenzen mit dem Vermieter. Für sein Archiv jedoch sehr viel: 25.000 € Nachzahlung seit Jahresanfang stehen aufgrund der Zwangsverwaltung des Gebäudes an. Doch diese Forderung ist fix und unabhängig vom Museum – und die Möglichkeit der gütlichen Einigung mit dem Zwangsverwalter besteht trotz allem. Es bleibt die Frage: Wie günstig müsste das Preismodell einer GGG sein, um Mietfreiheit zu unterbieten? Und sollte es so günstig sein, müsste sich diese GGG vorwerfen lassen, dass sie das Experimentelle Karree nicht nur aus marktwirtschaftlichen, sondern auch aus ideologischen Gründen scheitern ließ.

Jeder - wirklich jeder - sollte sich fragen, ob er eine derartige Farce billigen kann. Wer es nicht kann, erhebe seine Stimme!
Ich erhebe meine.

Nachtrag:

An jenem Donnerstag war Spielemuseums-Chef Peter Lemcke nach meinen Informationen nicht anwesend. Nur Bürgermeisterin Lüth, Simone Kalew und Prokuristen der GGG sahen sich das Gebäude an und und unterhielten sich über mögliche Umgestaltungen. Einer der ebenfalls anwesenden Mieter drückte daraufhin auch verbal sein Missfallen über diesen Affront aus.