Ein Theaterstück
Der 17. April, Samstagabend, und somit Schlusstag des 6. Sächsischen Theatertreffens. Die letzte Vorstellung steht auf dem Programm: „Egoshooter: Generation Peer“ - ein Gastspiel des Leipziger Centraltheaters. Es ist kurz nach 20 Uhr und das Stück liegt in den letzten Zügen.
Einer der Schauspieler tritt auf – nochmals – da das Stück eigentlich schon vorbei ist, hält eine Zwiebel in den Händen, eine Zwiebel, die er dem Publikum präsentiert. Was dann passiert, könnte man „Zerfleischen“ nennen, wäre die Zwiebel keine Pflanze. Einigen wir uns auf „zerfetzen“. Er zerfetzt die Zwiebel, völlig aus der Handlung gerissen – „postdramatisch“ nennt man das wohl. Was bezweckt er? Es bleibt vorerst unklar und bleibt es auch dann noch, als er die Erkenntnis, das Ergebnis seines Handelns laut heraus schreit, das dann vom Chor der anderen Schauspieler noch mit einem Echo unterlegt wird:
„Sie hat kein Herz.“
Ein Satz steht im Raum und Runzeln zeigt sich auf der Stirn der Zuschauer. Cool war es allemal, was sich da abspielte – zugegeben -, aber der Sinn...
Eine Podiumsdiskussion
Der Chemnitzer Schauspieldirektor Enrico Lübbe sitzt auf dem Podium und erklärt, weshalb das zukünftige „Haus der Archäologie“ im ehemaligen Kaufhaus Schocken die blödeste Idee ist, die man haben konnte. Sein vorangegangenes Zitat von den „gefühlten achtspurigen Autobahnen“ im Chemnitzer Zentrum ist ebenfalls legendär. Ein Uni-Gebäude mit Seminarräumen oder die Mensa im Schocken-Kaufhaus, das wären seiner Meinung nach sinnvolle Varianten. Applaus vom Publikum.
Aber halt:
Micaela Schönherr, Geschäftsführerin der NILES-SIMMONS Industrieanlagen GmbH, widerspricht ihm. Als Vorstand des Lobby-Vereins „Freunde und Förderer des Hauses der Archäologie“ ist das nicht verwunderlich. Das sagt sie auch selbst und fährt fort, dass der Stadtverwaltung der Weitblick fehle. „Chemnitz war schon einmal weiter.“, sagt sie, doch „Voxx“, „Splash“ und „Bukowski“ wären nun weg.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwigs Ton wird im Laufe der Diskussion schärfer und sie verteidigt nicht nur die Schocken-, sondern auch sonst alle städtischen Pläne. Herr Lübbe, angesichts dieses Beschusses, begibt sich immer mehr in die innere Emmigration – ebenfalls nicht verwunderlich, sitzt doch nicht nur er für sich allein auf dem Podium, sondern mit ihm auch die von der Stadt finanzierten Angestellten des Theaters.
Zurück zum Schauspielhaus
Ende Mai (vom 27. - 30.) findet das Theaterfestival „Schönste Blume des Ostens“ statt und der Flyer zeigt nicht etwa Rose, Tulpe oder Vergissmeinnicht, nein, er zeigt eine Zwiebel - ein ziemlich gewöhnliche sogar. Alles klar!?
Die subtile Kritik des Theaters findet im Theater statt – zumindest bei „Egoshooter“. Vielleicht begann beim Sächsischen Theatertreffen aber auch eine nette Tradition, die sich beim Festival mit seinem Flyer fortsetzt und die – vielleicht – noch ganz andere Blüten tragen wird.
* Alternativbild, da es (auch auf Nachfrage) nicht sicher ist, ob ich den Flyer verwenden darf.
Schönste Blume des Ostens:
Zur Festivalseite von „Schönste Blume des Ostens“.
Programm: täglich vom 27. - 30. Mai:
18-20 Uhr: Chemnitzer und Karl-Marx-Städter Experten geben in einer Speeddating-Situation einen kurzen Einblick in ihre Expertise.
20 Uhr: Inszenierung eines Gastensembles.
Ab 22 Uhr: Party oder Club Royal (28. Mai)